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Kann Karate: Messerscharfe Gitarrenriffs und große Indie-Melodien aus Berlin

Frage an alle: Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal mit der Faust auf den Tisch gehauen? Weil euch alles bis zum Himmel gestunken hat. Weil ihr die Schnauze voll hattet. Weil euch danach war. Und noch viel wichtiger: Wenn nicht, warum tut ihr es nicht einfach? Kann Karate machen es doch auch.

Wer? Kann Karate.
Nein, das ist nicht euer alter Tomate-Tomate-Oma kann Karate-Witz. Das ist vertonte Ehrlichkeit und eines der wenigen Lösemittel für all den Mist auf der Welt, der sich plötzlich in messerscharfen Gitarrenriffs und großen Indie-Melodien, bitterer Ernsthaftigkeit und selbstschützenden Fluchtgedanken auflöst. Irgendwas zwischen Post-Punk und Indierock. Zwischen Turbostaat und Vierkanttretlager.

Aber von vorn: Alles fing 2015 an – mit einem von vielen Arbeitstiteln, der bis heute als einziger von vielen nicht peinlich klang: Kann Karate eben. Oder genauer: Eric (Gesang), Chris (Bass), Bastian (Schlagzeug) und Daniel (Gitarre).

Im verrauchten Berliner Proberaum entsteht das erste Demo, das aus Versehen auch zur ersten Platte wird – zu „Ecke Revaler“ wird. Einfach so. Ohne Masterplan. Komplett DIY – ohne Label, ohne Verlag, ohne Vertrieb. Was soll der Schnickschnack? Wer Bock hat, macht!

Vor allem live, wenn krautige Beats auf schrammelnde Gitarren treffen und sich Eric mit heiserem Sprechgesang die Seele aus dem Leib schreit und schwitzt. Im weitesten Sinne ist das, was dann auf der Bühne passiert, Post-Punk – aber die Art von Post-Punk, die neben all der existenziellen Verzweiflung das Herz nicht vergisst.

„Wir haben’s versucht, gehofft, verpasst, nochmal, von vorn, versagt, verdammt“ singt Eric, während der Bass tief knurrt.„Versucht, gehofft, verpasst, nochmal, von vorn!“ – und ja, verdammt, für einen Moment fühlt man sich stürmisch umarmt. Die Art von Umarmung, bei der einem das Bier in der Hand übers Shirt schwappt und man sich einig ist: „Läuft nicht so, aber hey, passiert!“
Manchmal muss man die Fäuste ballen. Und manchmal muss man sie öffnen, um für einen Moment ein bisschen Sonne über den ganzen Scheiß zu schütten.
Beides tun Kann Karate mit ihrer zweiten Platte „Donner Doria“ – So heißt das gute Stück aus fünf Songs.

Klingt irgendwie nach einem Oma-Spruch? Nun, es war die Tante, genau genommen. Als Eric seine Familie an Weihnachten besucht hat, wie man das eben so macht, und die mit den Worten „Donner Doria, Ruhe jetzt!“ auch mal Bock auf die Faust auf dem Tisch hatte. Guter Arbeitstitel. Guter Plattentitel.

Produziert wurden die fünf Songs von Kann Karate zusammen mit Ex-Findus-Mitglied Kristian Kühl (bekannt für seine Arbeit mit Leoniden) und Andreas „Anfy“ Hartmann von Radio Havanna. Hauke Albrecht (Turbostaat, Kettcar, Findus) hat das Mastering übernommen. Große Namen, klar – den schwitzigen Proberaum, den kalten Rauch, der sich trotz Rauchverbot in die Wände frisst und das ein oder andere Bier riecht man trotzdem noch aus jeder Zeile.

Kann Karate im Internet: Webseite | Facebook | YouTube

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