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Silverstein Frankfurt 2020
Foto: N. Baumer

Konzerte & Festivals

Band und Fans feiern 20 Jahre Silverstein in Frankfurt

Happy Birthday und Chapeau, SILVERSTEIN!

Die kanadischen Post-Hardcore Legenden live in der Frankfurter Batschkapp.

20 Jahre lang unverschämt gute Platten veröffentlichen – nur um dann zwei Stunden lang die verschiedene Sets auf den Punkt zu bringen. SILVERSTEIN gehen auch in ihrem zwanzigsten Jahr noch immer keine Kompromisse ein, wenn es darum geht, Konzerte stilsicher abzuliefern. Nicht ohne Grund ist die kanadische Band – um Frontmann Shane Told – seit ihrem Bestehen nicht mehr aus der Emocore- bzw. Post-Hardcore-Szene wegzudenken.

Bereits vor seinem Bandjubiläum hat das Quintett aus Toronto im letzten Jahr einige Überraschungen für seine Fans parat gehabt. Auf das Albumrelease „Redux:  The First 15 Years“ im vergangenen Frühjahr, auf welchem die Band Songs ihrer ersten vier Alben neu aufgenommen hat, folgte Ende 2019 noch die Live-Variante ihres Debüts. Der aus dem Jahr 2003 stammende Genreklassiker „When Broken Is Easily Fixed“ wurde für das Jubiläum der Band live aus den Clubs der Welt auf CD gepresst. Als wäre der musikalische Output der Kanadier noch nicht genug, folgt am 06.03.2020 das brandneue Studioalbum „A Beautiful Place To Drown“, mit dem das SILVERSTEIN-Abenteuer in eine neue, aufregende Runde geht.

Um den Fans die Wartezeit zu verkürzen, hat sich die Band anlässlich ihres Geburtstags etwas ganz Besonderes einfallen lassen –  denn 20 Jahre SILVERSTEIN müssen gebührend gefeiert werden! Für ihre „20 Year Anniversary Tour“ hat die Band das klassische Tourneeformat aufgepeppt und besticht bei den fünf Deutschland-Shows im Februar 2020 mit drei aufeinander folgenden Sets, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie performen mit den Greatest Hits, einem akustischen Set sowie der Live-Darbietung ihres Erfolgsalbums „Discovering The Waterfront“ in voller Länge ein Jubiläumspaket, welches seines Gleichen sucht!

Am 12. Februar haben SILVERSTEIN Station in der Batschkapp in Frankfurt gemacht. Wir von museek.de durften da natürlich als Geburtstagsgäste nicht fehlen.

Support: Hawthorne Heights eröffnen die Show

Vergeblich sucht man am Eingang der Frankfurter Batschkapp nach einem Sold Out-Schild. Das Konzert ist am heutigen Abend nicht ausverkauft, aber dennoch voll. Ein Segen für Kurzentschlossene, die noch bis kurz vor Konzertbeginn die Möglichkeit haben, ein Ticket für die vielversprechende Show von SILVERSTEIN und ihrem Support HAWTHORNE HEIGHTS zu ergattern.

Pünktlich um 19:30 Uhr gehen die Saallichter aus, ein Intro ertönt und HAWTHRONE HEIGHTS, die zur Unterstützung der Europa-Termine extra aus Ohio angereist sind, betreten die Bühne. Die Jungs machen ebenfalls seit knapp 20 Jahren zusammen Musik und sind seit 2004 eine der engsten Freunde von SILVERSTEIN –  einen Geburtstag möchte man ja auch zusammen mit den besten Freunden feiern.

Sänger und Frontmann JT Woodruff präsentiert sich und seine Band sympathisch und sucht von Beginn an den Kontakt zum Publikum. „Tonight is all about having a good time, having fun.“ Den Alltagsstress einmal für kurze Zeit zu vergessen, da sind wir dabei! Allerdings sind die Frankfurter noch recht verhalten und wollen der mehrfachen Aufforderung zum Mitsingen noch nicht so ganz nachkommen. Ob es daran liegt, dass die Band trotz ihrer Spielfreude selbst etwas statisch wirkt und sich das auf das Publikum überträgt oder es der etwas softeren Musik geschuldet ist, dass das Publikum nur mitwippt und mitklatscht, lässt sich schwer sagen.

Trotzdem sorgen HAWTHORNE HEIGHTS für ein entspanntes Warm-up und liefern einen soliden 35-minütigen Auftritt ab, wofür sie verdienten Applaus ernten.

Die Geburtstagsparty kann beginnen – Greatest Hits

Um 20:30 Uhr hat das Warten ein Ende und die Geburtstagskinder persönlich betreten die Bühne. SILVERSTEIN gehen direkt in die vollen und eröffnen die Show mit ihrer kürzlich veröffentlichten Single „Burn it Down“. Das Statement ist klar und verständlich – hier soll heute der Laden abgerissen werden. Als wäre das Intro nicht schon feierlich genug, wird mit „Retrogate“ sofort nachgeliefert. Core- neben Hookparts – so wie man SILVERSTEIN liebt und hören möchte. Wer so energiegeladen einsteigt, hat die Crowd direkt auf seiner Seite und es dauert nicht lange, bis sich der erste kleine Pit bildet. Für das Publikum gibt es zunächst kein Verschnaufen ehe Shane Told die Menge zum Jubiläum begrüßt.

Ihr erstes Set ist eine Reise durch die größten Hits der Band, die keine Wünsche offen lässt. Sofort geht es mit den Dauerbrennern/Hymnen „Vices“, „A Great Fire“ und „Broken Stars“ weiter, die als Medley präsentiert werden. Anschließend folgt ihr brandneuer Song „Infinite“, der einen weiteren Vorgeschmack auf ihr neues Album bietet und von der Menge ordentlich gefeiert wird. Mit dem Song beweisen die Post-Hardcore Veteranen wieder einmal ihr ausgeprägtes Gespür für eingängige, mitreisende Hits und der perfekten Mischung aus Melodie und Härte.

In einem ausgedehnten Medley, bestehend aus neun Songs, zeigt die Band ihre charismatische Seite der erwachsenen Jahre und führt im Zeitraffer durch ihr 7. Studiomalbum „This Is How The Wind Shifts“. Die 10 minütige Medley-Variante war eine gelungene Abwechslung und ein echter Stimmungsmacher. Auch ihr powervolles Cover von One Republic feat. Timbalands „Apologize“, bei dem das Publikum lautstark und textsicher mitsingt, darf im ersten Part der Show nicht fehlen.

Schade ist einzig und alleine, dass der Sound, der bei HAWTHORNE HEIGHTS noch so gut klang, während der ersten Songs von Silversein nicht optimal abgemischt ist und Frontmann Shane stellenweise nur wenig zu hören ist. Das ist in der Batschkapp leider keine Seltenheit, aber tut der ausgelassenen Stimmung in der Halle glücklicherweise keinen Abbruch. Mit ein bisschen Drehen an den richtigen Knöpfen, klang der Sound auch schnell wieder besser.

Licht aus, Feuerzeuge an – jetzt wird’s emotional!

Das Licht geht aus, die Band verlässt die Bühne und ein Mikrofonständer wird mittig positioniert. Shane steht nun für sich, alleine, bewaffnet mit einer Akustikgitarre und seiner Stimmgewalt. Wie er selbst erzählt, hat er mit 20 Jahren angefangen Gitarre zu spielen. Das Ergebnis lässt sich definitiv hören! Dieser Teil des Abends, der nun folgt, ist wirklich sehr besonders. Mal begleitet mit Gitarre, mal mit Bass, mal mit E-Cello und E-Geige, mal mit Keyboard und leichten Drums. Dafür haben sich SILVERSTEIN für diese Tour Unterstützung von Mike Tompa als sechstes Bandmitglied geholt. Das verleiht den Songs noch mal einen ganz neuen, zerbrechlichen Sound.

Es ist schon ein Kampf „Massachusetts“ gegen knapp 1000 Frankfurter zu singen, doch Shane meistert das mit Bravour. Auch die folgenden reduzierten Versionen von „Still Dreaming“ und „Replace You“ wirken mit der klaren und kräftigen Stimme des Sängers noch emotionaler und werden mit viel Herz präsentiert. Eines meiner persönlichen Highlights ist „Aquamarine“. In dem Song verarbeitet Shane eine für sich sehr schwere Zeit. Wie viel Emotion in dem Song steckt, spürt jeder im Raum sofort.

Mit dem anschließenden Song „Red Light Pledge“ blicken Silverstein noch weiter in die Vergangenheit, nämlich zu ihrem Debütalbum aus dem Jahr 2003. Dass der Einstieg nicht auf Anhieb klappt, überspielt der Frontmann charmant, indem er die „Schuld“ auf das Keyboard schiebt, das falsch gestimmt ist.
Was die Band mit dem Akustik-Set abliefert ist ganz großes Kino und hat die Herzen der Frankfurter berührt.

Mit „Toronto“ gelingt der Band dann der perfekte Abschluss und Übergang in das nächste Set: Es stehen jetzt wieder alle auf der Bühne und die Akustik-Version baut sich nach und nach zur vollen Studio-Version auf, bei der die Gitarren tief schlagen und die Drums präzise peitschen.

Zeit die Segel zu setzen: „Discovering The Waterfront“

Genug ausgeruht, Zeit wieder ordentlich Gas zu geben. Während das Publikum das Akustik-Set nutzen konnte, um kurz neue Energie zu tanken, gönnen sich SILVERSTEIN keine Pause und starten direkt in den Höhepunkt des heutigen Abends: Ihr zweites Album „Discovering The Waterfront“, mit dem der Formation der Durchbruch im Jahr 2005 endgültig gelungen war. An dieser Stelle zeigt sich schnell, warum diese Platte so gefeiert wird und dass es vor allem die alten Songs und Hits sind, die die Fans lieben. Die Dynamik des Albums lässt sich problemlos auf die Besucher übertragen und die Halle zum Kochen bringen. Keine Überraschung also, dass die Band Song für Song in gewohnter Manier durch das Album powert und Richard McWaler zum Riff von „Your Sword Versus My Dagger“ ansetzt, dass die Wände nur so wackeln. Der Song leitet über in „Smile In Your Sleep“ – mit einem Lächeln auf den Lippen werden wohl auch die meisten heute Nacht einschlafen. Die Menge tobt wieder. Der Soundmann muss ein paar Dezibel hochpegeln, denn die Fans singen lauter denn je an diesem Abend. Über die Iden des März wird so langsam aber sicher der Bogen gespannt zum Titeltrack des Albums aus 2005: Und auch dieser hält was er verspricht.

Dann kommt der Evergreen, den sie alle hören wollen. Bei „My Heroine“ singen die rund 1.000 Frankfurter ab den ersten Gitarrentönen, sich in den Armen liegend, Wort für Wort mit – bis es bei den folgenden Breaksdowns kein Halten mehr gibt und die Halle zerlegt wird. Das Publikum übernimmt bei den Refrains die stimmliche Führung und man sieht nicht nur Begeisterung in den Gesichtern der Fans, auch in denen der Band. Absoluter Gänsehautmoment!

Nach „Call It Karma“, dem letzten Song des Sets, verabschiedet sich die Band unter tosendem Jubel von der Bühne – aber nicht, ohne anschließend noch einmal zurückzukommen und die geforderte Zugabe zu geben. „Bleeds No More“, ebenfalls ein Klassiker, bringt auch jeden müde getanzten Moshpit nochmals zum Pogen. Die Band verneigt sich, wir verneigen uns mit.

Die Kanadier haben mit der Show wieder einmal bewiesen, dass sie auch nach 20 Jahren noch voller Energie sind und es schaffen, ihr Publikum über den gesamten Auftritt mitzureisen. Mit ihrer energiegeladenen Show, einer restlos begeisternden Setlist und ihrer sympathischen Art konnten SILVERSTEIN in der Batschkapp in voller Linie überzeugen. Es war ein Geburtstagsfest der Extraklasse, das die Fanherzen höher schlagen lassen hat – Heartcore eben.

In diesem Sinne: Happy Birthday, SILVERSTEIN und bis ganz bald!

SETLIST

Greatest Hits:
Burn It Down
Retrograde
A Great Fire / Vices / Broken Stars
Face of the Earth
Infinite
Stand Amid the Roar / On Brave Mountains We Conquer / A Better Place / In Silent Seas We Drown / California / To Live and To Lose / This Is How The Wind Shifts / Arrivals / Departures
Apologize (OneRepublic cover)
The Afterglow

Acoustic:
Massachusetts
Still Dreaming
Replace You
Aquamarine
Red Light Pledge
Toronto (Unabridged)

Discovering The Waterfront (Full Album):
Your Sword Versus My Dagger
Smile in Your Sleep
The Ides of March
Fist Wrapped in Blood
Discovering the Waterfront
Defend You
My Heroine
Always and Never
Already Dead
Three Hours Back
Call It Karma

Encore:
Bleeds No More

Autor

Immer auf der Suche nach guter Musik, regelmäßig auf Konzerten und Festivals unterwegs, meist gut gelaunt und immer ein Lied auf den Lippen oder im Kopf.Schreibt mir gerne eine Mail. Freue mich über Lob, Kritik und viel neue Musik.

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