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The Certs liefern britischen Indie-Rock mit Punkkante
The Certs gehören zu jener neuen Generation britischer Gitarrenbands, die Rockmusik nicht nostalgisch verwalten, sondern mit jugendlicher Energie nach vorne treiben wollen. Das Quartett aus Surrey verbindet Indie-Rock, Punkkante und eingängige Refrains – und entwickelt dabei von Veröffentlichung zu Veröffentlichung ein klareres eigenes Profil.
Bei The Certs begann alles mit den Songs. Carter Elvis Robinson schrieb und nahm zunächst die EP „Here Today Gone Tomorrow“ auf, bevor aus dem Projekt eine vollständige Band wurde. Seit September 2024 spielen The Certs in ihrer aktuellen Form: Robinson übernimmt Gesang und Gitarre, Amos Burton Gitarre und Backgroundgesang, Fin Chaney den Bass und Lucas Carkeek-Blakley das Schlagzeug.
Diese Entstehungsgeschichte hört man der Band durchaus an. Im Zentrum stehen kompakte Songs, klare Melodien und Gitarren, die nicht bloß Atmosphäre schaffen, sondern nach vorne drängen. Gleichzeitig wirken The Certs nicht wie ein reines Vehikel für einen einzelnen Songwriter. Gerade das Zusammenspiel aus Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren gibt dem Material jene körperliche Energie, die für die Band zunehmend zum Erkennungsmerkmal wird.
Vom ersten Material zur eigenen Bandidentität
Die Debüt-EP „Here Today Gone Tomorrow“ erschien 2024 noch als Ausgangspunkt eines Projekts, das sich erst kurz darauf zu einer festen Formation entwickelte. Seitdem haben The Certs ihr Repertoire kontinuierlich erweitert. Auf Songs wie „Turn Back“, „Repetition“ und „Scenario“ folgten 2026 „Intuition“, „Just For Show“ und schließlich „LUNA“.
Interessant ist dabei weniger die reine Anzahl der Veröffentlichungen als die Entwicklung, die sich zwischen ihnen abzeichnet. The Certs setzen auf einen direkten, britisch geprägten Gitarrensound, erlauben sich innerhalb dieses Rahmens aber unterschiedliche Schwerpunkte. Manche Stücke leben stärker von ihrem sofortigen Vorwärtsdrang, andere arbeiten bewusster mit Dynamik, melodischer Spannung oder einem emotionaleren Unterbau.
„Scenario“ zeigt die Band beispielsweise von ihrer besonders ungebremsten Seite. Der Song war bereits vor seiner Veröffentlichung Teil des Live-Sets und wurde von Reading Indie Life für seinen kraftvollen Einstieg sowie das intensive Zusammenspiel von Gitarren und Schlagzeug hervorgehoben.
„Just For Show“ klingt dagegen größer und kontrollierter. Wuchtige Drums, ein präsenter Bass und zunehmend aufbrechende Gitarren treffen auf einen Gesang, der trotz aller Dringlichkeit eine gewisse Wärme behält. Thematisch beschäftigt sich der Song mit dem Spannungsfeld zwischen äußerem Bild und innerer Wirklichkeit – mit den Fassaden, die Menschen aufbauen, und dem, was sich dahinter verbirgt.
Genau darin liegt die Stärke von The Certs: Die Band kann laut und unmittelbar sein, ohne ihre Songs auf bloßen Krawall zu reduzieren. Unter den Gitarren steckt fast immer eine Melodie, unter dem Tempo häufig eine emotionale Unruhe. Das macht die Musik zugänglich, gibt ihr aber zugleich genügend Reibung, um nicht wie glatt produzierter Radio-Rock zu wirken.
Eine Band, die auf der Bühne wächst
The Certs verstehen sich hörbar als Liveband. Bereits kurz nach ihrer Gründung spielten sie ausverkaufte Konzerte in ihrer Region und bauten ihr Publikum mit regelmäßigen Auftritten im Süden Englands aus. Die offizielle Konzertseite beschreibt ihren Sound als Mischung aus Rock und Indie-Punk, die live vor allem von ihrer explosiven Energie getragen wird.
Auch BBC Introducing wurde auf die Band aufmerksam. Nachdem ihre ersten Singles im Programm vorgestellt worden waren, folgte eine Einladung zu einer Session für BBC Introducing Sussex & Surrey. Dort spielten The Certs ein vier Songs umfassendes Live-Set.
Solche Auftritte sind für eine junge Band mehr als ein hübscher Eintrag in der Biografie. Sie zeigen, ob die Songs auch außerhalb kontrollierter Studiobedingungen funktionieren. Bei The Certs scheint genau dort ein wesentlicher Teil ihrer Identität zu liegen: in der direkten Verbindung zwischen Band und Publikum, in laut aufgedrehten Gitarren und in Stücken, die auf einer kleinen Bühne noch einmal anders zünden als über Kopfhörer.
Ein zusätzlicher Aufmerksamkeitsschub entstand, als „Turn Back“ in eine kuratierte Spotify-Playlist rund um „Bridget Jones“ aufgenommen wurde.
Zwischen Punkenergie und emotionaler Offenheit
Mit ihrer aktuellen Single „LUNA“ erweitern The Certs diesen bisherigen Weg um eine nachdenklichere Seite. Der Song erschien am 10. Juli 2026 und wurde in den Catalyst Studios in St Helens aufgenommen. Die Band widmet ihn Viola Beach, deren Geschichte eng mit dem Studio beziehungsweise dem beteiligten Produktionsumfeld verbunden ist.
Inhaltlich richtet sich „LUNA“ an Menschen, die mit psychischen Belastungen, Einsamkeit oder dem Gefühl kämpfen, ihre Probleme allein bewältigen zu müssen. Die Botschaft von Hoffnung und menschlicher Verbindung gibt dem Song emotionales Gewicht, ohne den bisherigen Bandsound grundlegend umzubauen. Statt eines kompletten Stilwechsels ist „LUNA“ deshalb eher als nächste Facette zu verstehen: The Certs bleiben eine druckvolle Rockband, öffnen ihre Musik aber stärker für Verletzlichkeit und persönliche Themen.
Damit steht die Single nicht isoliert im Mittelpunkt, sondern fügt sich in eine Entwicklung ein, die bereits bei den vorherigen Veröffentlichungen zu beobachten war. The Certs werden präziser, selbstbewusster und vielseitiger. Die Gitarren bleiben präsent, die Rhythmen bleiben körperlich, doch die Songs verlassen sich zunehmend weniger allein auf Tempo und Lautstärke.
Noch ist die Geschichte der Band jung. Seit der Gründung in ihrer heutigen Besetzung sind kaum zwei Jahre vergangen. Trotzdem verfügen The Certs bereits über eine EP, mehrere Singles, erste Radio-Unterstützung und eine wachsende Live-Historie. Vor allem aber entsteht das Gefühl, dass die vier Musiker ihren Platz nicht über ein künstlich konstruiertes Image suchen, sondern über die klassische Arbeit einer Gitarrenband: Songs schreiben, aufnehmen, veröffentlichen und auf möglichst vielen Bühnen besser werden.
Wer auf britischen Indie-Rock mit Punkkante, griffigen Melodien und einer Portion ungebremster Live-Energie steht, sollte The Certs auf dem Zettel haben. „LUNA“ ist dabei nicht die ganze Geschichte – sondern der aktuelle Zwischenstand einer Band, die hörbar gerade erst beginnt, ihr eigentliches Potenzial auszuschöpfen.
The Certs im Internet: TikTok | YouTube | Facebook | Instagram | Spotify | SoundCloud
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