Mit deary taucht eine Band auf, die Shoegaze, Dream-Pop und ätherischen Indie auf eine Weise verbindet, die gleichermaßen vertraut und frisch klingt. Das Trio aus London hat sich in kurzer Zeit einen Namen in der Indie-Szene gemacht – nicht zuletzt durch Songs, die wie ein weiter Himmel aus Gitarrenflächen, Hall und emotionaler Intensität wirken.
Ein Trio mit klarer Vision
deary bestehen aus Ben Easton (Gitarre), Dottie Cockram (Gesang, Gitarre) und Harry Catchpole (Schlagzeug). Die Band entstand während des COVID-Lockdowns, als Easton beschloss, emotionalere und introspektivere Musik zu schreiben. Über gemeinsame Freunde lernte er 2021 Sängerin Dottie Cockram kennen – und schnell zeigte sich eine musikalische Verbindung.
Beide teilen eine Leidenschaft für Bands wie Cocteau Twins, Slowdive und My Bloody Valentine. Gerade die geheimnisvolle Stimme von Cocteau-Twins-Sängerin Elizabeth Fraser wurde früh zum Gesprächsthema der beiden – und man hört den Einfluss bis heute. Gleichzeitig haben deary ihren ganz eigenen Stil entwickelt: getragen von Cockrams fast schwebender Stimme, Eastons vielschichtigen Gitarren und Catchpoles kraftvollem Schlagzeug.
Zwischen Shoegaze-Wänden und Dream-Pop-Schwerelosigkeit
Musikalisch bewegen sich deary zwischen dichten Shoegaze-Riffs und zarten, atmosphärischen Dream-Pop-Momenten. Ihre Songs wirken oft weitläufig und cineastisch, voller Hall, Emotion und Dynamik.
Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle Single „Alfie“ – ein über sieben Minuten langes Dream-Pop-Epos. Ursprünglich als persönliche Hommage an den verstorbenen Familienhund von Gitarrist Ben Easton geschrieben, entwickelte sich der Song zu einer emotionalen Reflexion über Abschied, Kindheit und Veränderung. Das Stück steigert sich schließlich zu einer monumentalen Klangwand, die von Bands wie Sigur Rós inspiriert ist.
Auch die vorherige Single „Seabird“ zeigt diese Klangästhetik: ein atmosphärischer Track voller schwebender Gitarren und epischer Weite, der bereits internationale Aufmerksamkeit erhielt.
Natur, Verletzlichkeit und die Folgen menschlichen Handelns
Der Bandname erscheint bewusst immer in Kleinbuchstaben – eine kleine, aber typische Indie-Geste. Noch wichtiger ist jedoch das thematische Fundament der Musik.
Der Titel ihres Debütalbums „Birding“ verweist auf die Welt der Vögel – nicht nur als Naturmotiv, sondern auch als Symbol für Freiheit, Hoffnung und Vergänglichkeit. Sängerin Dottie Cockram beschreibt ihre Faszination für historische Texte, Gedichte und Geschichten über Vögel. In vielen Kulturen stehen sie für Hoffnung, während andere Arten wie Krähen oder Geier auch Tod und düstere Vorzeichen symbolisieren.
Gitarrist Ben Easton erklärt den Gedanken hinter dem Album so: Es gehe um die Folgen menschlichen Handelns – für andere Menschen, für die eigene Psyche und für die Natur. Vögel stehen dabei stellvertretend für verletzliche Wesen, die stark von menschlichen Eingriffen betroffen sind. Gleichzeitig spiegelt dieses Motiv auch die eigene innere Verletzlichkeit wider.
Vom Experiment zur eigenen Identität
Nachdem deary 2023 ihre Debüt-EP „Fairground“ veröffentlicht hatten, war „Birding“ der nächste große Schritt. Die Band entschied sich, das Album selbst zu produzieren – gemeinsam mit ihrem langjährigen Kollaborateur Iggy B..
Für Ben Easton war das auch eine logische Konsequenz seiner Arbeit als Toningenieur und Produzent. Die Band wollte den gesamten Prozess gemeinsam gestalten und ihre Vision vollständig selbst umsetzen.
Rückblickend beschreibt Dottie Cockram das Album als einen wichtigen Entwicklungsschritt: Während die frühen Veröffentlichungen noch eine Suche nach dem eigenen Sound waren, habe man mit „Birding“ endgültig herausgefunden, wie deary wirklich klingen wollen.
Oder, wie Easton es formuliert:
„Auf unserer letzten EP haben wir versucht, deary zu sein – auf diesem Album sind wir es tatsächlich.“
Eine Band im Aufwind
Das Debütalbum „Birding“ erscheint am 3. April 2026 über Bella Union. Parallel dazu gehen deary im Frühjahr auch auf Tour und werden The Twilight Sad bei mehreren Shows in Großbritannien begleiten.
Alles deutet darauf hin, dass das Trio gerade erst am Anfang steht. Mit ihrem Mix aus atmosphärischer Klanglandschaft, emotionaler Tiefe und klarer künstlerischer Vision gehören deary definitiv zu den spannendsten neuen Namen im modernen Dream-Pop und Shoegaze.