Geboren und aufgewachsen an der US-Westküste, in einem Vorort zwischen Palmenklischee und Parkhausromantik, war Audrey Hobert nie die laute Hauptrolle, sondern immer die genaue Beobachterin. Die, die in der Mittagspause mit dem Mädchen saß, das niemand mochte. Die, die sich aus dem Autofenster das Musikvideo ausmalte, das nie gedreht wurde.
Schon früh wurde ihr klar, dass sie keine klassischen Popträume verfolgte. Audrey Hobert wollte schreiben, dachte filmisch, war immer auf der Suche nach einem besseren Ausdruck für das, was sich nicht leicht sagen lässt. Die Musik kam später – oder vielleicht richtiger: Sie fand sie wieder, als sie längst woanders suchte.
Gracie, Girls & Growth
Der Sprung zur Musik kam über die in ihre Kindheit zurückreichende Freundschaft mit Gracie Abrams, ihrer langjährigen Mitbewohnerin und kreativen Partnerin. Gemeinsam schrieben sie Songs, drehten Videos – und formten damit nicht nur Gracies Sound, sondern auch Audreys eigenes Selbstverständnis als Musikerin. Die Arbeit an Gracies Album „The Secret of Us“ wurde zur Initialzündung. Spätestens mit dem weltweiten Erfolg von „That’s So True“ war klar: Diese Stimme – auch wenn sie noch nicht singt – hat Gewicht.
Es war ein innerer Shift. Audrey begann, selbst zu schreiben. Nicht mehr nur für andere. Sondern für sich.
„Wet Hair“, „Sue Me“ & Bowlingbahnen
Ihre neue Single „Wet Hair“ ist ein Paradebeispiel für diese Haltung: Kein großer Herzschmerz, keine Pose – sondern der Soundtrack zum Moment danach. Entstanden aus einem simplen Tagebucheintrag, direkt nach einer Trennung. Die Erkenntnis: Du brauchst kein Outfit, keinen Glanz, nicht einmal trockene Haare, um deine eigene Hauptfigur zu sein. Und schon gar nicht, um einen Ex zu treffen.
Schon mit ihrer allerersten Veröffentlichung „Sue Me“ zeigte Audrey Hobert, dass ihre Songs auf den ersten Blick leichtfüßig wirken, aber tief graben. Mit ironischer Nonchalance und selbstgedrehtem Video ging der Track viral – über 25 Millionen Streams später ist klar: Es war mehr als nur ein TikTok-Moment. „Sue Me“ klingt wie eine lächelnde Replik auf all die klassischen Breakup-Songs – aber mit doppeltem Boden.
Auch der Song „Bowling Alley“ bleibt hängen – mit seinem seltsam vertrauten Bild einer heruntergekommenen Freizeitlocation als Metapher für das, was von einer Beziehung übrig bleibt. Es sind solche Ideen, die Audrey Hoberts Songs besonders machen: eine Mischung aus Trostlosigkeit und Zärtlichkeit, aus Alltag und Gefühlskino.
Audrey Hobert schreibt keine Hits im klassischen Sinne – sie schreibt Szenen. Die Bowlingbahn, das Badezimmerlicht, die Rückbank eines Autos. Es sind Orte, die man kennt, aber nie besungen gehört hat.
Ästhetik trifft Haltung
Visuell denkt Audrey Hobert in Szenen: Ihre Videos entstehen oft in Eigenregie, ihr Stil ist irgendwo zwischen Early-Sofia-Coppola und Post-Internet-Melancholie. Alles wirkt cineastisch, aber nie inszeniert. Ihr Instagram gleicht einem Storyboard, ihre Songs klingen wie Filmszenen, die man im Kopf weiterschreibt.
Live ist Audrey Hobert bereits ein Geheimtipp – oder längst kein Geheimnis mehr. Ihre Konzerte in London, New York und L.A. waren im Nu ausverkauft. Wer sie sieht, sieht kein Popprodukt. Sondern eine Person, die einfach da ist – voll, echt, klar.
Audrey Hobert ist eine dieser Künstlerinnen, die nicht auf Popstrategien bauen – sondern auf Wahrhaftigkeit. Ihre Songs sind keine Ohrwürmer, sie sind kleine Erzählungen. Manchmal fragmentarisch, oft bittersüß, immer persönlich. Sie denkt in Bildern, spricht in Zwischentönen und singt, als würde sie dir etwas anvertrauen.
Sie ist keine Figur, die gefallen will. Sie ist eine, die bleibt.
Audrey Hobert im Internet: Instagram | Spotify | YouTube | Website