1000 Rabbits sind eine jener Bands, die nicht einfach mit einer Single auftauchen, sondern mit einer bereits spürbaren Geschichte. Rund 50 Konzerte hat das Quintett aus dem englischen Aldeburgh bereits gespielt, bevor mit „Virgin Soil“ nun das offizielle Debüt erscheint. Ein erster Song also – aber keiner aus dem Proberaum-Blankzustand heraus, sondern einer, der auf Bühnen gewachsen ist.
Ursprünglich unter dem Namen Rabbitfoot aktiv, kündigte die Band erst vor wenigen Wochen an, fortan als 1000 Rabbits aufzutreten. Kurz darauf folgt mit „Virgin Soil“ die erste Veröffentlichung auf dem renommierten Beggars-Label Young, Heimat von Acts wie The xx, Sampha oder FKA twigs. Entdeckt wurde die Band bei einem Auftritt im Londoner Club The Windmill in Brixton – jenem legendären Ort, aus dessen Umfeld auch Black Country, New Road, Squid oder Black Midi hervorgingen.
Fünf Köpfe, ein Sound
1000 Rabbits bestehen aus Laura (Violine), Liv (Synthesizer), Paolo (Gitarre), River (Gesang) und Luke (Schlagzeug). Diese Besetzung allein deutet schon an, dass hier kein klassischer Gitarrenband-Sound zu erwarten ist. Tatsächlich bewegt sich die Band im Spannungsfeld zwischen Art-Pop, experimenteller Club-Ästhetik und cineastischer Dramaturgie.
Zentral ist dabei der Rhythmus. Die Songs – allen voran „Virgin Soil“ – bauen auf treibenden, körperlichen Grooves auf, die weniger begleiten als vielmehr tragen. Darüber legen sich Violinlinien, die eher an Filmmusik als an Indie-Folk erinnern, während Synthesizerflächen und Gitarre Texturen schaffen, die den Songs eine offene, fast avantgardistische Note geben. Rivers Gesang wirkt dabei gleichzeitig kontrolliert und fragil – eine Stimme, die Intimität und Dringlichkeit mühelos verbindet.
„Virgin Soil“ als Ausgangspunkt
„Virgin Soil“ ist einer der ersten gemeinsam geschriebenen Songs der Band und entwickelte sich über Monate hinweg zum Herzstück ihres Live-Sets. In der Studioversion zeigt sich der Track verdichtet, klarer konturiert – „beständiger, weniger flüchtig, aber immer noch ekstatisch“, wie die Band es beschreibt.
Tatsächlich beginnt der Song rhythmusbetont und spannungsgeladen, bevor er sich Stück für Stück öffnet. Ein überraschender Break am Schlagzeug leitet gegen Ende eine Passage ein, die mit Drum’n’Bass-Anleihen spielt und den Song in eine fast rauschhafte Richtung treibt. Es ist genau dieser Moment des kontrollierten Kontrollverlusts, der 1000 Rabbits auszeichnet.
Die Band selbst versteht „Virgin Soil“ als symbolischen Startpunkt: als gemeinsames Ausprobieren, als Musik ohne Limitierung – und als logischen ersten Schritt nach draußen.
Zwischen Küstenort und Londoner Szene
Ihre Wurzeln sehen 1000 Rabbits in Aldeburgh, Suffolk, einem Küstenort, den sie als ihre spirituelle Heimat bezeichnen. Von dort aus zog es sie in die Londoner Independent-Szene, wo sie sich insbesondere im The Windmill einen Ruf als intensive Liveband erspielten. Ihre Shows gelten als enigmatisch, energetisch und stark rhythmusgetrieben – Konzerte, bei denen das Publikum eher hineingezogen als nur unterhalten wird.
Mit der Veröffentlichung von „Virgin Soil“ und der Anbindung an Young beginnt nun ein neues Kapitel. Die Headline-Show bei Third Man Records in London ist bereits ausverkauft, ein Auftritt beim The Great Escape in Brighton bestätigt. Weitere UK-Termine sind angekündigt, Konzerte auf dem europäischen Festland bislang jedoch nicht.
Ob und wann eine größere Tour oder ein Debütalbum folgt, ist derzeit offen. Klar ist nur: 1000 Rabbits haben mit ihrer ersten Single ein Profil geschaffen, das neugierig macht. Eine Band, die zwischen Kunstanspruch und Clubenergie, zwischen Intimität und Ekstase ihren ganz eigenen Raum sucht – und ihn mit bemerkenswerter Entschlossenheit besetzt.