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„Klappe halten, wenn man nichts zu sagen hat“ – Interview mit She-Male Trouble

She-Male Trouble Band Interview
Quelle Foto: Band

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„Klappe halten, wenn man nichts zu sagen hat“ – Interview mit She-Male Trouble

Die Kreuzberger Punk’n’Roll-Combo She-Male Trouble ging 1999 aus der All Girl Punk/Rockband „Female Trouble“ hervor und blickt auf eine wild bewegte Bandgeschichte zurück. Bis 2008 haben She-Male Trouble gespielt wie bekloppt – tourten mit Bands wie Dover durch dieses und andere Länder, durften sogar einmal für Deep Purple eröffnen und belärmten so ziemlich alles vom Hinterhof bis zum Hurricane Festival.

Am 15.10.2009, bei ihrem bis dato letzten Gig in der Moritzbastei in Leipzig, verabschiedete sich die Band mit der vollmundigen Aussage, erst wieder Konzerte zu spielen, wenn sie eine neue Platte fertig hätten. Seitdem ist so einiges passiert: DJs haben die Macht übernommen, die Größen des Rocks verlassen so langsam den Planeten. Und „Platten“ sind 2016 ein dehnbarerer Begriff denn je.

Bassist Torsten Dohm stand uns für ein Interview zur Verfügung und beantwortete uns ein paar Fragen rund um die Band und das „Comeback“ von She-Male Trouble mit der 7 Inch Doppel-Single „2 Dogs“ und „Marie’s Bar“.

museek: Lange Zeit war es furchtbar ruhig um She-Male Trouble. Was war der Grund für die lange „Abstinenz“?

Torsten / She-Male Trouble: Wir hatten in 2008 beschlossen erst mal keine Konzerte mehr zu spielen, weil wir uns auf eine neue Platte stürzen wollten. Denn wenn man immer wieder Konzerte spielt muss man ja immer wieder den alten Scheiß proben. Und diese Zeit wollten wir lieber für neue Songs nutzen. Zeitgleich waren wir (oder zumindest manche von uns) an einem Punkt, wo wir uns irgendwie in unserem eigenen Stereotyp gefangen fühlten, so dass uns der Sinn nach Veränderung stand. Wir wollten nicht nochmal dieselben Songs schreiben, wie wir sie bereits auf den beiden ersten Platten hatten. Man soll sich und sein Publikum ja nicht langweilen. Und dann grätschte hier und da die Arbeit dazwischen, Volker verließ uns und sein Vorgänger Boris übernahm wieder die Gitarre, so dass wir einiges erst mal wieder proben mussten … und irgendwie zogen die Jahre ins Land. Der Umstand, dass wir alles selber im Proberaum aufgenommen haben, hat die Sache auch nicht gerade beschleunigt (wenn man nicht wie in einem Studio gegen die Uhr und das Portemonnaie arbeiten muss kann man sich immer sagen „ach das kriegen wir morgen noch besser hin“).

Ihr habt schon vor Bands wie Deep Purple oder den Beatsteaks gespielt, ward quer durch die Republik auf Tour und Gast auf diversen Festivals. Habt ihr diese Zeit nicht wenigstens ein bisschen vermisst?

Auf jeden Fall! Wir haben in diesen Jahren ja viele tolle Sachen erlebt (an die nicht so tollen kann man sich nach ner Weile zum Glück nicht mehr so gut erinnern). Und die letzten Konzerte waren jetzt so lange her, dass wir gar nicht mehr wussten wie sich es sich anfühlt ein Konzert zu spielen. Jetzt wo wir wieder live gespielt haben, wissen wir wieder wie toll das ist.

„Außerdem kann man ja auch mal gepflegt die Klappe halten wenn man nichts zu sagen hat, oder?“

Im Gegensatz zu anderen Musikern, die sich in kreativen Schaffenspausen befinden, hat man von euch nie so wirklich eine Wasserstandsmeldung bekommen. Eure Facebook-Seite zum Beispiel ist zwischen Ende 2012 und Ende 2015 ziemlich verwaist. War das eine bewusste Entscheidung des Rückzugs?

Ich glaube in erster Linie sind wir alle ein bisschen „medial unterbelichtet“. Unser Antrieb die sozialen Medien zu füttern ist also überschaubar. Wir haben erst wieder angefangen, als wir jetzt wieder begonnen haben Konzerte zu spielen (aus der nackten Angst, dass keiner kommen könnte). Außerdem kann man ja auch mal gepflegt die Klappe halten wenn man nichts zu sagen hat, oder?

Vor wenigen Tagen, am 19. Februar, erschien eure erste 7-Inch. Wie unterscheiden sich die beiden neuen Songs „2 Dogs“ und „Marie’s Bar“ von euren bisherigen Stücken?

Aus den oben angesprochenen Gründen sind diese Songs ja absichtlich ein bisschen anders geraten als unser altes Zeug. Außerdem haben wir mittlerweile mehr Ruhe beim Songs schreiben; denn wenn wir für einen Song die fehlende zündende Idee nicht bekommen, dann basteln wir oft sehr lange daran rum, bis entweder besagte zündende Idee um die Ecke kommt oder der Mülleimer lächelt. Darüber hinaus versuchen wir auch Songs zu schreiben, die unser „Live-Set“ (ein schlimmes Wort!) ergänzen und verbessern oder abwechslungsreicher machen.

„Die Musik ist Wichtiger als das Format“

In den letzten Jahren ist viel passiert in der Musikwelt. Wie reagiert ihr als Band z.B. auf solche Sachen wie die schier unendliche Verfügbarkeit von Musik im Internet? Ist die künstliche Verknappung eurer aktuellen 7-Inch auf 99 Stück vielleicht eine Reaktion darauf? Sozusagen das Suggerieren von einem besonderen Stück Musik, das man wertschätzen sollte anstatt es illegal herunter zu laden?

Um von künstlicher Verknappung zu reden müssen wir ja erst mal alle 99 Singles verkauft haben! Ich finde ja nicht, dass man immer und überall verfügbar sein muss, aber als Reaktion auf die unendliche Verfügbarkeit im großen Internet war das nicht geplant. Aber in einem Lied steckt immer sehr viel Schweiß und Liebe, so dass man seine Wertschätzung durchaus dadurch zum Ausdruck bringen kann, dass man dafür bezahlt. Man kann der Kapelle auch gerne einfach ein Bier ausgeben, aber bei  fünf Bandmitgliedern und den heutigen Bierpreisen ist eine CD oder ein bezahlter Download evtl. günstiger. Was unsere Auflage von 99 Stück angeht, gefällt mir der Gedanke, dass die Leute auf unser Konzert kommen müssen, um diese 7 Inch zu haben. Ist irgendwie persönlicher. Und ich finde die Musik wichtiger als das Format. Vinyl ist toll, aber ein Download reist schön CO2-arm um die Welt und erreicht Regionen, wo wir niemals unsere 7 Inches hin schicken könnten. Ist doch auch nicht schlecht. Deshalb gibt es die 7 Inch auch überall zum Download oder als Stream. Und wenn wir alle 7 Inches fertig haben wird es das alles ja auch als Album geben.

Insgesamt habt ihr 13 schon aufgenommene, neue Songs. Wieso habt ihr euch schließlich dagegen entschieden, diese auf einem einzigen neuen Album von She-Male Trouble zu veröffentlichen?

Wir haben gemerkt, dass wir – wenn wir so weiter machen würden – noch ewig für dieses Album brauchen würden und wir wollten endlich wieder Konzerte spielen. Deshalb diese 7 Inch Idee. Immer zwei Songs fertig machen, 99 7 Inches pressen, kleine Record-Release-Party feiern und auf zur nächsten 7 Inch. Irgendwann sind alle 13 Songs auf 7 Inches gelandet (plus vielleicht noch ein paar Schnellschüsse) und dann kommt das alles auch als Album. Das hat übrigens auch den schönen Nebeneffekt, dass jeder Song volle Aufmerksamkeit bekommt wenn man sich immer nur auf 2 Songs auf einmal konzentriert. Bei einer Albumproduktion mit 13 Songs kommt eher mal so ein „muss jetzt aber fertig werden“ Gedanke auf. So entstehen dann wohl diese sogenannten „Filler“ von denen man immer wieder hört.

Habt ihr euch durch eure Entscheidung, immer lediglich zwei Songs gleichzeitig zu veröffentlichen, auch ein wenig den Druck genommen, eine durchweg sehr gute Platte aufnehmen zu müssen, die sowohl bei der Plattenfirma als auch bei Fans und Kritikern gut ankommt?

Daran haben wir gar nicht gedacht. Wir machen die Musik immer so, dass sie uns fünfen gefällt. Der Rest ist erst mal nicht so wichtig und darüber hinaus sowieso Glücksache. Und da die Plattenfirma bei uns den Bass spielt, müssen wir uns zumindest keine großen Sorgen machen, dass es der Plattenfirma nicht gefällt.

Wenn das letzte Album neun Jahre zurückliegt und das letzte Konzert über fünf Jahre, muss man sich dann von Grund auf neu beweisen oder konntet ihr euch, aus eurer Sicht, die Gunst eurer Fans erhalten?

Das sollten wir besser mal unsere Fans fragen. Die ersten beiden Konzerte waren aber gaaaaanz toll. Wir und unser Publikum haben uns großartig amüsiert. Und das ist ja alles worum es geht. Und es war toll, so viele bekannte Gesichter von früher zu sehen. Und was das „neu beweisen“ angeht: wenn man eine Bühne betritt muss man sich immer neu beweisen.

Wie sind die Reaktionen der Fans auf die neuen Songs?

Bislang sind die Reaktionen sehr gut (vielleicht haben aber auch diejenigen denen die neuen Songs nicht so gefallen nur netterweise nichts gesagt oder gepostet). Und auch wenn ich vorhin gesagt habe, dass wir die Musik erst mal nur für uns fünf machen: wir sind Musiker. Musiker sind meistens empfindsame Gemüter, die mit Applaus deutlich besser umgehen können als mit Kritik.

Ihr habt angekündigt wieder Konzerte zu spielen, wenn es neues Material von euch gibt. Dieses ist nun da. Gibt es schon konkrete Pläne für eine Tour?

Nee. Eine Tour haben wir erst mal nicht geplant. Aber wir wollen ab jetzt wieder öfters mal spielen.

Was sind eure weiteren Pläne als Band für 2016? Noch irgendetwas Spezielles in Aussicht oder konzentriert ihr euch erstmal auf die weitere Veröffentlichung von 7-Inches und die/eine Tour?

Jetzt machen wir erst mal zwei weitere Songs für die nächste 7 Inch fertig und dann fahren wir irgendwo hin und feiern ne kleine Record-Release-Party. „Irgendwo“ wird wohl das Tegtmeyer in Braunschweig sein. Weiter wollen und müssen wir ja auch gar nicht planen. Sind ja nur ne kleine Band.

Vielen Dank für das nette Interview!

Wir danken!

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Wer neugierig ist, wie die neuen Songs von She-Male Trouble klingen, hat hier die Möglichkeit reinzuhören. Viel Spaß!

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