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Serum 114 im Interview über Vergleiche mit den Toten Hosen, interaktives Sightseeing und die Festival-Saison 2015

Serum 114 beim Interview in Nürnberg

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Serum 114 im Interview über Vergleiche mit den Toten Hosen, interaktives Sightseeing und die Festival-Saison 2015

Vor dem Konzert von Serum 114 bot sich Jenny und Chris die Möglichkeit zu einem Interview mit Esche und Nils. Im Tourbus der Band standen Sänger und Schlagzeuger dem Team von museek gutgelaunt Rede und Antwort. Die beiden 1 Liter Flaschen Bier, die wir als Geschenk im Gepäck dabei hatten, stießen gleich zu Beginn auf große Begeisterung seitens Esche und Nils.

Nils: Ja geil, danke schön! Aber das will ich nicht mit den Assis teilen (lacht).
Esche: Und außerdem haben wir ja die Arbeit gemacht und mit euch gesprochen.

Wie passt das bei euch zusammen, 4 Bandmitglieder und jeder Fan eines anderen Fußballvereins?

Esche: Das hatten wir gestern schon, das passt gar nicht zusammen.

Nils: Manchmal versuchen wir es im Armdrücken auszufighten, welcher Verein besser ist. Thorsten ist Mainz -Fan, Markus eingefleischter Eintracht Frankfurt-Fan, Esche FC Union Berlin und ich vom wunderbaren 1. FC Kaiserslautern. Da ist für jeden was dabei.

Gestern Köln, heute Nürnberg und morgen Leipzig. Bleibt euch da noch Zeit die Stadt anzuschauen?

Esche: Wie unser Tour-Alltag heute aussah kann ich euch gerne sagen. Wir waren gestern in Köln nach dem Konzert noch in einem Club, der hieß Venusfalle oder so. Wir hatten Bus-Call um 3 Uhr und es war halb 2, da dachten wir, wir müssen unbedingt nochmal mit dem Taxi rein in die Stadt und abfeiern. Entsprechend war es heute eher nichts mit Sightseeing.

Nils: Aus kulturellen Gründen. (lacht) Das war früher immer geil, als wir damals mit Volbeat auf Tour waren, da hatten wir immer erst so gegen 17:30 oder 18 Uhr was zu tun oder Soundcheck und da war das wirklich so, dass die einen ausgekatert haben und die anderen sich in allen 20 Städten der Tour rumgetrieben haben.

Esche: In Salzburg und in Wien waren wir auch. Da haben wir dann immer solche Tour-Videos gemacht und der Teil von uns, der nicht mit unterwegs war, konnte das dann hinterher anschauen. Sozusagen interaktives Sightseeing.

War die Sache mit dem Club in Köln dann so etwas, was in die Kategorie eures Songs „Weil ich kann“ fällt? Also habt ihr das in dem Moment einfach nur aus dem einen Grund gemacht, weil ihr es könnt?

Esche: Nee, weil wir mussten. (lacht)

Nils: Das war so ein innerer Antrieb. Wir müssen noch was machen, wir müssen noch was von Köln sehen. Wir haben noch 90 Minuten Zeit. So viel und so schnell wie es geht. Aber auch weil wir es können.

Ihr habt euch 2008 im Song „114“ selbst als Gitarrengangster, die nach Bier und Rauch stinken, bezeichnet. Trifft diese Aussage sechs Jahre später immer noch auf euch zu?

Esche: Du sitzt hier und atmest die ganze Zeit durch den Mund, du kannst die Frage eigentlich selbst beantworten, oder? Ich glaube wir hatten schon immer so ein Faible für diese Gangster-Stories, so dieses Johnny Cash, Western-Dingsbums. Wie sieht’s heute aus? Wir sind ein bisschen vernünftiger geworden aber es artet immer noch aus.

Nils: Professionelle Gitarrengangster.

Bei aller Professionalität, wie wichtig ist euch die Nähe zu euren Fans? Wir hatten zu Beginn eurer Karriere schon einmal Kontakt zu euch via MySpace und auch unsere Presseanfrage wurde von euch selbst beantwortet und wir erhielten sehr schnell eine positive Antwort. Seid ihr nach wie vor die sprichwörtliche „Band zum Anfassen“?

Nils: Ja, absolut. Wir versuchen schon, wenn wir von Fans oder der Presse angeschrieben werden, da irgendwie in Kontakt bleiben. Deshalb haben wir auch genau verfolgt, was ihr vorab über uns geschrieben habt. Wir beantworten dann auch Fragen, wenn welche kommen und versuchen schon vieles möglich zu machen. Klar, vieles kann man bedienen, manches ist aber auch schwierig. Wir versuchen also schon da recht Fan-Nah zu bleiben und zu sein.

Esche: Auch was unsere Show angeht ist nach wie vor so, dass wir sehr intensiven Kontakt zum Publikum pflegen. Das betrifft vor Allem mich und Markus. Auf dieser Tour haben wir uns auch wieder etwas Neues überlegt. Es gibt jetzt einen Circle Pit, in dem Markus ein ganz wichtiger Bestandteil ist. Er steht da immer in der Mitte und es ist auch sehr spannend für ihn. Außerdem treffen wir uns nach dem Gig eigentlich immer noch mit den Fans am T-Shirt-Stand, um gemeinsam noch ein Bier zu trinken und Autogramme zu schreiben.

Wir haben euer aktuelles Album „Kopfüber ins Nichts“ Bekannten vorgespielt und die erste Reaktion war oft: „Klingt geil! Sind Die Toten Hosen, oder?“. Ist das für euch eher ein Kompliment oder eine Beleidigung?

Esche: Also als Kompliment würde ich es jetzt nicht bezeichnen. Es gab auch eine Zeit, da fanden wir diesen Vergleich echt immer scheiße und haben da auch versucht irgendwie gegenzuarbeiten. Jetzt mittlerweile seh ich das wirklich total emotionslos und finde es wichtiger, dass das, was du machst, gut ist. Das ist auch so wie bei Airbourne zum Beispiel, die total wie AC/DC klingen. Was die machen ist aber einfach geil und deshalb haben die auch ihre Existenzberechtigung. Was uns selbst betrifft bin ich natürlich befangen aber ich denke, das kann man hier so ähnlich sehen. Wenn du unsere Platte gut findest, dann ist es egal, ob es noch eine zweite Band gibt, die so klingt. Von daher ist das nichts schlimmes.

Auf eurer Platte befindet sich mit „Sag nicht ich habe den Glauben verloren“ ein Song, der am Anfang wie „Sad Man’s Tongue“ von Volbeat klingt.

Esche: Ja klar, das mag sein. Das ist aber 1. Zufall und 2. ist es ein Country-Song. Hör dir mal bitte zehn Country-Songs an, die klingen danach alle gleich. Das ist auch ein Genre-typisches Ding. Diesen Vergleich seh ich jetzt nicht. Und selbst wenn es so wäre hätte ich kein Problem damit.

Also hat sich dieser Umstand dann auch eher spontan bei der CD-Produktion ergeben, dass sie so klingt, wie sie jetzt klingt und ihr nicht mir irgendwelchen Vorgaben rangegangen seit, dass ein Song jetzt genau so klingen muss?

Nils: Nein, auf keinen Fall. Wir setzen uns nicht vorher hin, hören das CD-Regal durch und sagen dann: So muss das Album klingen!

Esche: Ja doch, das machen wir schon. Wir setzen uns hin und ich telefoniere dann auch ganz viel mit Nils. So nach dem Motto: Ey, nächste Platte. Da machen wir dann so ein richtiges Punk-Ding draus, nur Up-Tempo-Nummern und nur auf die Fresse. Dann entstehen dann aber ganz andere Songs und du merkst, dass es zwar ein super Plan war aber letztendlich ist doch was ganz anderes dabei rausgekommen. Solange es gut ist und solange wir selbst zufrieden sind mit der Arbeit, den Texten und der Musik ist es in Ordnung. Die Pläne die wir schmieden sind zu 90% meistens hinfällig.

Wie läuft der Produktionsprozess generell bei euch ab? Schließt ihr euch zusammen im Proberaum ein oder arbeitet jeder für sich einzelne Songstrukturen aus?

Esche: Das läuft bei uns so, dass die meisten Songs ich schreibe. Nils schreibt noch ein paar Songs und Markus und Thorsten haben auch oft viele Ideen. Das meiste kommt aber von mir. Ich treffe mich dann mit Nils im Proberaum und wir fangen an eine Vorproduktion zu machen, bei der wir erst mal zu zweit die Songs als Demo aufnehmen. Dann werden sie den Anderen gezeigt und dann dem gesamten Team. Natürlich hat dann jeder auch noch seine Meinung zu den einzelnen Sachen  und Thorsten als unser Produzent ist da auch immer sehr ambitioniert und liefert noch mal die ein oder andere Idee, die dann mit verarbeitet wird. Wir haben aber gemerkt, dass zu viele gute Ideen einfach von vornherein wieder verworfen werden, wenn von Beginn an zu viele Leute mit unterschiedlichen Meinungen an der Entstehung der Songs beteiligt sind.

Wo nehmt ihr die Inspiration für eure Songs und insbesondere eure Texte?

Esche: Ja, wie soll ich sagen? Es ist das Leben, das uns inspiriert. Du lebst dein Leben, es passieren dir irgendwelche Sachen und die inspirieren dich. Wir gehen aber nicht mit dem Vorsatz an einen Song, dass der jetzt unbedingt ein bestimmtes Thema behandeln muss. Das wird dann auch nicht. Man trägt natürlich einen Gedanken mit sich rum aber entweder es entsteht etwas daraus oder eben nicht. Wir können da auch nichts erzwingen, das macht auch keinen Sinn bei uns. Konstruierte Songs sind auch einfach nicht unser Ding.

Anderes Thema: Esche, machst du noch Kickboxing?

Esche: Ja. Ich habe vor anderthalb Jahren damit angefangen, hab das so für mich entdeckt und es ist ne geile Sache. Macht Spaß.

Auch wieder „Weil du kannst“?

Nils: Naja, ich aka sein Fitness-Coach, hab ihn mir angeschaut und gesagt: Esche, da müssen wir was machen. Entscheide dich, die harte Schule des Trainings mit mir oder die weiche Schiene und Kickboxing.

Esche: Es ist die Kickbox-Schule Mesut Gül, in der ich trainiere. Auf diesem Wege wollte ich jetzt auch noch mal den Namen erwähnen, da freut er sich.

Nils: Und wenn ihr das nicht schreibt dann habt ihr nämlich ein Problem. Da habt ihr gleich einen Kickboxer vor der Tür stehen (lacht).

Esche: Ich habe dort auch viele Freunde gefunden. Leider ist dieser Sport ja sehr überlaufen voll Vollidioten aber dort ist es ganz anders. Krasser Zusammenhalt, keine Assis und es ist einfach geil. Es ist auch total interessant, wie deine Psyche sich verändert. Du musst ja auch trainieren, dass du auch bei einem Schlag ins Gesicht die Augen auflässt. Alleine dieser Prozess hat bei mir ein halbes Jahr gedauert und das war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Fit werden und fit sein ist immer gut. Gerade im Ausblick auf kommende Touren und eventuelle Festival-Auftritte. Ist da von eurer Seite aus schon was geplant für 2015?

Nils: Unser Ziel ist es auf jeden Fall nächstes Jahr wieder unheimlich viele Festivals zu bespielen. Gerade die Open Airs machen besonders viel Spaß und sind besser als jeder Sommer-Urlaub. Wacken 2013 war natürlich ein Highlight für uns und würden wir immer wieder gerne machen wenn es denn passt.

Gerade bei Rock im Park bzw. Rock am Ring würde aus unserer Sicht ein Engagement Sinn machen, wenn man sich mal die bisherigen Bestätigungen anschaut. Da würdet ihr ganz gut reinpassen. Wie seht ihr das?

Nils: Wir sind da prinzipiell sehr offen für alles. Wir würden uns natürlich freuen wenn Marek Lieberberg museek.de liest und uns aus diesem Grund eine Anfrage schickt. Es ist aber gar nicht so einfach. Oft kommt man auch nur über ein großes Bandpaket, das dann gebucht wird,  zu Festival-Ehren und wir arbeiten natürlich weiter daran, dass wir in Zukunft auch wieder bei den großen Festivals dabei sein können. Bis jetzt hat sich bei Rock im Park und Rock am Ring noch nichts ergeben aber wir sind für die Zukunft ganz optimistisch, dass es irgendwann mal klappt.

Letzte Frage: Ist für euch ein Heimspiel in Frankfurt einfacher oder schwerer als andere Shows?

Esche: Eigentlich beides. Klar ist es einfacher, weil die Fans von Anfang an noch mal 10% heißer sind als anderswo aber es ist auch schwerer, weil wir selbst uns dann mehr unter Druck setzen. Aber trotzdem ist es immer ein Highlight für uns.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch mal recht herzlich bei Esche und Nils für das prima Interview, bei Daniel für den netten Pressekontakt und die Bewirtung vor Ort sowie bei Scherf & Band + Serum 114 für den genialen Konzert-Abend, der nach dem Interview auf uns wartete!

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