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Ash-Sänger Tim Wheeler im museek Interview

Tim Wheeler beim museek Interview mit Chris

Alternative

Ash-Sänger Tim Wheeler im museek Interview

Vor dem Konzert von Ash und We Are Scientists hatte Chris Gelegenheit mit Ash-Sänger Tim Wheeler ein Interview zu führen. Dieser präsentierte sich grundsympathisch und beantwortete gut gelaunt seine Fragen. Es wurde viel gelacht und am Ende stand er sogar noch für einige lustige Schnappschüsse bereit.

museek: Schön, Ash endlich wieder in Deutschland zu sehen. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr wieder hierher zurückkommt?

Tim: Ja, genau das habe ich mich auch schon gefragt. Ich habe dafür eigentlich keine gute Antwort. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir sehr lange mit der Singles-Kampagne beschäftigt waren. Wir waren viel in Amerika unterwegs. Vielleicht waren wir auch einfach nur dumm und haben Europa in den letzten Jahren schlichtweg vergessen. 2007 waren wir das letzte Mal hier und haben ein paar Festival-Gigs gespielt. Aber es ist toll wieder hier zu sein und ein paar Club-Shows zu spielen.

Ihr seid nach New York gezogen, was auch nicht die kürzeste Distanz zu Europa ist.

Ich glaube nicht, dass das unbedingt der Grund ist aber jetzt wir wieder öfters herkommen um das wiedergutzumachen.

Wie du bereits gesagt hast, habt ihr Mitte der 2000er viele Festivals gespielt. Vermisst ihr es manchmal auf der großen Bühne vor tausenden von Leuten zu stehen oder spielt ihr auch gerne kleine Club-Shows vor weniger Fans?

Eigentlich mag ich Beides. Wir haben auf den großen Festivals in England und sogar Japan gespielt aber ich habe es auch vermisst in Europa aufzutreten. Es gibt hier unglaublich viele tolle Auftrittsmöglichkeiten und es gibt hier immer noch viele Hardcore-Ash-Fans, was echt cool ist.

„Ich bin sehr glücklich, dass es uns überhaupt noch gibt“

Abgesehen davon, bist du glücklich darüber, wie sich eure Band in den letzten Jahren entwickelt hat?

Ja, total. Zuallererst bin ich glücklich, dass es uns überhaupt noch gibt und wir weiterhin Musik machen. Wir haben die großen Veränderungen in der Musikindustrie der letzten Jahre überlebt im Gegensatz zu manch Anderen.

Wie ist es mit We Are Scientists auf Tour zu sein?

Sehr lustig. Sehr, sehr lustig. Das sind witzige Typen. Wir sind alle eng miteinander befreundet. Ich wohne in New York in der Nähe von ihrem Sänger Keith und wir haben alle keine großen Egos. Wir sind alle sehr bodenständig geblieben und kommen uns daher auch eigentlich nie in die Quere. Wir performen jeden Abend auf Tour als Supergroup zusammen und es macht echt wahnsinnig viel Spaß mit ihnen.

Also geht ihr euch auch nicht gegenseitig auf die Nerven.

Nein. Wir teilen uns sogar den selben Bus und haben jede Menge Spaß.

Auf euren letzten Konzerten habt ihr am Ende immer „Undone – The Sweater Song“ gecovert. Wie kommt das? Ist das die Art Musik, die ihr auch privat oder auf Tour hört?

Wir suchen uns immer Songs von Bands aus, von denen wir beide Fans sind. Wir sind beide sehr große Weezer-Fans und hoffen, dass das auch unseren Fans gefällt. Außerdem bietet der Song viel Freiraum für uns um dabei dumme Sprüche zu reißen und Blödsinn auf der Bühne zu machen.

Das letzte Weezer-Album trägt den Titel „Everything will be allright in the end“. Nach acht Jahren und einer Menge Singles habt ihr nun endlich ein neues Album namens „Kablammo!“ am Start, obwohl ihr nie wieder ein Studio-Album aufnehmen wolltet. Warum dieser Sinneswandel?

Wir haben das in einer Phase gesagt, als die Leute nicht mehr in der Art Musikalben gehört haben, wie sie das vorher getan haben. Auf einmal haben die Leute ihre Musik auf dem iPod gehört. Ich war ja genauso. Ich habe auch nur noch einzelne Titel und Playlists angehört anstatt komplette Alben. Und wir dachten, dass ein Album nicht mehr soviel Anerkennung bekommt, wie es verdienen würde. Damit haben wir uns abfinden müssen. Irgendwann habe ich dann aber wieder angefangen mir ganze Alben anzuhören und habe wieder ein Gefühl dafür entwickelt. Zu der Zeit wollten wir einfach weg von diesem Album-Tour-Album-Tour-Rhythmus und die Sache mit den Singles-Veröffentlichungen hat uns die Pausen verschafft, die wir gebraucht haben. Jetzt ist es cool ein neues Album zu haben und damit auf Tour zu gehen. Wir haben einfach eine Veränderung gebraucht.

„Früher hat man hauptsächlich durch Albumverkäufe Geld verdient“

Hat die digitale Revolution / das Internet die Musikindustrie in der Art verändert, wie ihr es erwartet habt oder ist es vielleicht sogar noch schlimmer gekommen?

Naja, früher haben die Bands hauptsächlich durch Albumverkäufe Geld verdient. Wir sind immer mit unseren Alben auf Tour gegangen um es zu promoten und damit Erfolg zu haben. Heutzutage ist es das Touren, womit du Geld verdienst und so gut wie nichts mehr mit CD-Verkäufen. Glücklicherweise haben wir eine große Fanbase aber ich denke es ist für eine neue, unbekannte Band echt schwer überhaupt zu überleben. Sich alles aufzubauen ist verdammt hart geworden.

Denkst du das man heutzutage noch eine erfolgreiche Band sein oder werden kann, ohne sich an die Radiostationen oder Plattenlabels zu vverkaufen?

Ich glaube einige Bands können das, wenn sie viel auf Tour sind oder Social Media clever nutzen. Das Gute ist ja, dass die Kreativität oder gute Musik nicht weg ist. Es braucht nur verdammt viel Unterstützung von Fans um den Durchbruch zu schaffen.

Das Internet ist auch ein guter Ort oder eine gute Möglichkeit um die Aufmerksamkeit der Leute auf die nicht so tollen Dinge des Lebens zu lenken, wie zum Beispiel die Krankheit ALS durch die Ice-Bucket-Challenge. Ihr habt 2011 ein Multiple-Sklerose-Projekt unterstützt. Tut ihr das immer noch?

Ja, das ist großartig. Auf der jetzigen Tour mit We Are Scientists haben wir uns auch schon mit ihnen darüber unterhalten, weil wir gemeinsam eine Benefit-Single aufgenommen haben. Ich engagiere mich unter anderem für die UK Society und lade die Leute auch oft unsere Shows ein. Es gibt also eine Menge Dinge, für die man dem Internet dankbar sein kann. Es ist eine tolle Möglichkeit Leute zusammenzubringen.

Viele Leute haben Ash entdeckt, nachdem euer Song „Girl from Mars“ für den Soundtrack von Gilmore Girls ausgewählt wurde. Hat euch das damals gefreut oder habt ihr euch eher gedacht „Warum Gilmore Girls? Warum nicht irgendeine coole Action-Serie oder so“?

Oh ja, stimmt. Ich erinnere mich. Ich habe die Serie aber tatsächlich nie gesehen. Ich glaube „Girl from Mars“ war schon vorher in den USA ein Hit aber wenn die Leute sich uns verbunden fühlen, weil sie uns mit einem tollen Fernseh-Moment verbinden, dann ist das großartig. Von daher ist es mir eigentlich egal, dass es gerade die Gilmore Girls waren.

Hat das irgendwie die weitere Entwicklung von Ash beeinflusst?

In Amerika vielleicht mehr als in anderen Ländern. Wir haben damals auch ein paar Songs für die Gran Turismo Spiele beigesteuert und manchmal kommen die Leute zu uns und sagen, dass sie Ash daher kennen. Das ist echt cool. Ich glaube aber nicht, dass der Gilmore Girls Soundtrack unsere Entwicklung als Band irgendwie beeinflusst hat.

Ihr habt 2015 auf dem Reading und Leeds Festival gespielt. Besteht die Möglichkeit euch 2016 auch wieder auf deutschen Festivals zu sehen?

Das hoffe ich. Ich würde gerne nächstes Jahr wiederkommen. Am liebsten würde ich das jedes Jahr machen. Wir werden bald damit anfangen neue Songs für ein mögliches neues Album zu schreiben, was viel Zeit verschlingen wird. Wenn wir nächstes Jahr nicht hier sind, dann eben übernächstes. Unser Album „1977“ feiert nächstes Jahr seinen 20. Geburtstag, vielleicht können wir das als Anlass nehmen um ein paar Shows zu spielen.

„Kablammo ist sowas wie die Sprechblasen in der alten Batman-Serie“

Lass uns über euer aktuelles Album „Kablammo!“ sprechen. Laut einem Eintrag auf urbandictionary.com ist Kablammo womöglich der am willkürlichsten benutze Ausdruck aller Zeiten. Was ist deine Definition von Kablammo?

Haha, das gefällt mir. Für mich ist es eine Explosion. Ich weiß nicht ob es das Wort auch im Deutschen gibt. Es beschreibt ein Geräusch und für mich ist das eine Explosion. Kablammo ist sowas wie die Sprechblasen in der alten Batman-Serie. „Pow“, „Peng“ , „Kaboom“ und sowas eben.

In Deutschland nutz man eher „Bazinga“.

Ja, Bazinga. Das ist auch Pop-Art würde ich sagen. Ich glaube der Name fasst den Sound des Albums ganz gut zusammen. Es klingt sehr explosiv und schnell und ist voller positiver Schwingungen.

Würde es genau so klingen, wenn Charlotte noch Teil von Ash wäre?

Ich glaube, dass wir auch mit ihr versucht hätten etwas zu schaffen, was uns allen gefällt. So wie wir es hier jetzt als Trio getan haben. Vielleicht wäre es mit ihr ein bisschen komplizierter geworden, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Zumindest hätten wir dann mehr Gitarrenspuren in den Songs gehabt. Aber wir haben schon immer versucht, alles relativ einfach zu halten.

Also hat man ohne Frau und nur unter Männern keine Probleme?

Haha, das habe ich nicht gesagt.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest: Gibt es etwas, dass du an Ash oder an dir selbst ändern würdest?

Ja, da gibt es einige Momente in unserer Bandgeschichte, die ich heute ein bisschen professionäler angehen würde. Wir waren alle sehr jung und manchmal wäre es wahrscheinlich sinnvoller gewesen, nicht so betrunken zu sein und zum Beispiel stattdessen für Promo-Zwecke zur Verfügung zu stehen. Aber ich glaube trotzdem, dass wir uns ganz gut geschlagen haben über die Jahre. Es gibt eigentlich immer Dinge, die man im Nachhinein gerne anders machen würde aber ich denke auch, dass wir vieles richtig gemacht haben. Außerdem sind die gemachten Fehler auch ein Teil des Wegs zum Erfolg. Wenn man keine Fehler macht, kann man nicht daraus lernen.

Danke, dass du so offen mit uns gesprochen hast. Es hat wirklich Spaß gemacht mit dir zu reden.

Mir hat es auch viel Spaß gemacht. Du hast eine Menge Themen aus der Geschichte von Ash abgeklappert. Und wenn du eine Gilmore Girls DVD hast, bring‘ sie nachher zur Show mit, wir unterschreiben sie gerne.

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Wir danken an dieser Stelle Tim Wheeler für das tolle und witzige Gespräch und Tour-Managerin Alex für die leckere Verköstigung während der Wartezeit vor dem Interview.

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