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„Wo gehobelt wird, fallen Späne“ – Interview mit Guano Apes Gitarrist Henning Rümenapp

Guano Apes Interview 2017
Pressefoto: Mischa Lorenz

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„Wo gehobelt wird, fallen Späne“ – Interview mit Guano Apes Gitarrist Henning Rümenapp

Vergangenen Sonntag waren die Guano Apes im Rahmen ihrer „Proud Like A God“ Anniversary Tour im Münchner Backstage zu Gast. Mir wurde dabei die Ehre zuteil, nicht nur dem Soundcheck beizuwohnen, sondern direkt im Anschluss ein Interview mit Gunao Apes Gitarrist Henning Rümenapp zu führen.

museek.de: Danke, dass ihr euch Zeit für mich nehmt. Ihr habt bestimmt schon so ziemlich jede Frage gehört und beantwortet. Auf einer Skala von 1 bis Schnitzel, wie geht es euch, wenn Currywurst „so lala“ ist?

Haha, die Frage ist echt mal gut. Tatsächlich ist die Frage, die uns bisher am meisten gestellt wurde, die nach unserem Bandnamen. Da verweise ich aber mittlerweile nur noch auf Wikipedia. Uns geht es sehr gut. Wir freuen uns einfach jetzt wieder auf Tour zu sein und alte wie neue Gesichter zu sehen. Von daher sind wir jetzt gerade sehr glücklich.

Am Freitag erschien die Jubiläums-Edition von „Proud like a God“. Ist man da aufgeregt wenn das Album erscheint oder seid ihr da ganz entspannt weil es kam ja 1997 schon gut an?

In erster Linie ist das Album in der Neuauflage eine Hommage an uns selbst, angereichert mit neuen Songs und einem Song, den wir in unserem alten Material gefunden haben. Die ganz große Aufregung war jetzt nicht dabei aber natürlich interessiert es uns schon, wie die Leute 20 Jahre später auf unsere Songs reagieren. Wir wollten damit einfach die gute alte Zeit wieder heraufbeschwören und damit uns und unseren Fans ne gute Zeit bescheren.

Auf der CD befinden sich ebenfalls drei Coverversionen von Songs von Eminem, Depeche Mode und David Bowie. Wie kam diese Idee zu stande und warum gerade diese Songs?

In der Retroperspektive „20 Jahre Guano Apes“ kam natürlich auch so die Idee eines „Soundtrack of our Life“ auf. Bands, Künstler oder Songs, die für uns alle irgendwie spannend waren. Da gab es eine lange Liste aber wir haben speziell nach Songs gesucht, wo ein gewisser Kontrast zu uns da ist. Also bei Eminem Hip Hop meets Rock, Männerstimme gegen Frauenstimme. Einfach um da eine gegensätzliche Interpretation zu haben. Wir sind mit der Auswahl sehr happy und es ist auch eine Hommage an diese Künstler und vielleicht eine Art Soundtrack unserer musikalischen Sozialisierung.

Vor 2 Tagen fiel der Startschuss für eure Tour in Zürich. Was habt ihr euch davon erwartet und wie war es letzten Endes?

Es waren gar nicht so viele „ältere“ Leute da, wie ich eigentlich gedacht hätte. Ich dachte, dass unser Publikum mittlerweile so zwischen 16 und 50 liegt von der Zielgruppe her. Ich stand noch eine Stunde nach dem Konzert am Merchandise und hab mich total gefreut, weil die Leute so glücklich waren und wir auch. Wenn man erstmal die erste Aufregung bei einem Tour-Auftakt hinter sich gebracht hat ist es einfach großartig, sich mit den Menschen zu unterhalten. Die Fans kamen sogar aus Rom oder aus Frankreich in die Schweiz um uns zu sehen. Es war und ist für viele Fans auch so ein bisschen Revue passieren lassen der eigenen Zeit. Ein größeres Kompliment kann man ja eigentlich gar nicht bekommen.

Beim Tour-Start habt ihr u.a. mit „Suzie“ einen Song rausgehauen, den ihr zum ersten Mal seit 1999 wieder live gespielt habt. Wie hat sich das angefühlt? Es ist ja nicht nur für eure Fans eine Art Zeitreise in die Vergangenheit.

Woher weiß man sowas? (lacht)… Es ist verdammt cool die eigene musikalische Vergangenheit neu zu entdecken und in die Gegenwart zu transportieren. Ein mega gutes Gefühl!

Euer Hit „Lords oft he Boards“ hat ja auch schon 20 Jahre auf dem Buckel und kann getrost mit „Song 2“ von Blur oder sogar mit „Killing in the name of“ von Rage against the Machine verglichen werden. Wenn der Song gespielt wird, geht’s eigentlich immer ordentlich ab. Gibt es Stücke in eurer Setlist, auf die ihr euch immer ganz besonders freut? Eben weil es so abgeht oder weil der Song für euch etwas Besonderes ist?

Das sind natürlich die großen Hits. Ob das jetzt „Lords of the Boards“ ist oder „Big in Japan“, der ja genau genommen auch ein Cover ist. Unsere Version ist auch schon so alt, dass bestimmt einige denken, der wäre im Original von den Guano Apes. Für uns fühlt sich das mittlerweile auch fast schon so an, wei lman das einfach so verinnerlicht. Das sind so die Sachen, die sich in 20 Jahren live so mit Emotion und Adrenalin aufladen, die wir beim Proben ehrlich gesagt oft skippen. Wir denken dann „das müssen wir nicht proben weil wir das schon seit ner Ewigkeit live spielen“ aber die Songs entwickeln dann live ihren Zauber. Es gibt auch ein paar ruhigere Sachen, wo es nicht direkt auf die Mütze gibt wie zum Beispiel „Quietly“, was einer meiner persönlichen Lieblingssongs ist.

Wen man sich alte Konzerte von euch im Netz anschaut dann konnte man „früher“ gelgentlich Zeuge werden, wie ihr am Ende eures Setz das Schlagzeug oder Gitarren zertrümmert habt (z.B. bei Rock am Ring). Geht ihr heute sorgfältiger mit eurem Equipment um?

Es gibt immer mal wieder impulsivere Momente, in denen auch mal was im Schlagzeugfell landet. Das lässt sich nie kalkulieren und ist ja auch irgendwie ein Teil der Show.

Wie oft muss den zum Beispiel euer Schlagzeuger Dennis neue Felle am Schlagzeug aufziehen? Er haut ja immer voller Energie auf sein Instrument ein.

Ich weiß es gar nicht so genau. Ich glaube aber, dass so alle zwei Shows neue Felle fällig sind. Wir haben auf alle Fälle einiges an Equipment dabei denn es ist ganz klar: Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Jetzt seid ihr wieder einige Zeit im Tour-Bus unterwegs. Wenn ihr euren Tour-Alltag mal mit dem von „früher“ vergleicht, was hat sich geändert? Motto: „Je oller desto doller“ oder lieber Ruhe?

Es wäre gelogen wenn ich nicht sagen würde, dass es ein bisschen ruhiger geworden. Das liegt auch einfach daran, dass man auf einer Tour nicht einfach so die Nacht zum Tag machen kann. Wenn du am nächsten Tag wieder ein Konzert spielst dann hast du ja den Fans gegenüber, die sich die Tickets gekauft haben und sich auf die Show freuen, eine Verpflichtung. Da geht man natürlich mit der eigenen Kondition etwas sorgsamer um, wie auf Festivals. Da gehst du dann schon auch mal mit dem ein oder anderen Promoter essen und trinkst auch mal eine lokale Spezialität aber das ist ja dann auch ok.

Was kann man in Zukunft von den Guano Apes erwarten? Die Planungen für die Festival-Saison 2018 laufen ja auch schon wieder auf Hochtouren. Könnt ihr schon verraten, ob man euch irgendwo im nächsten Sommer erleben kann?

Wir haben noch keine Sachen, die ich rausgeben kann und darf aber wir werden auf jeden Fall eine Rolle spielen und unterwegs sein. Wir haben ja das große Glück, dass wir auch viel international spielen können und sind nicht darauf angewiesen, bei Rock im Park, Rock am Ring oder sonstwas dabei sein zu müssen. Diese Festivals haben natürlich auch einen speziellen Blickwinkel auf die Szene und da muss ich sagen sind wir mit über 20 Jahren aufm Buckel jetzt nicht mehr unbedingt die heißesten Hüpfer. Von daher spielen wir und sehr wohl auch andere Länder und andere Festivals bespielen zu können und haben da auch sehr viele schöne Erfahrungen gemacht. Festivals wie Rock am Ring brauchen halt auch einfach bestimmte Headliner und die Sachen, die top aktuell sind. Wir haben gerade ein 20 Jahre altes Album, dem wir neues Leben einhauchen. Von daher kann ich schon nachvollziehen, dass die uns jetzt nicht unbedingt als Headliner buchen. Mit so einem Programm wie wir jetzt auf unserer Tour bieten kann man dann eben auch an andere Orte fahren und hat ganz andere Offerten. Das ist mir dann auch lieber als sich irgendwo um 18 Uhr auf die Bühne zu quälen, nur um dabei gewesen zu sein. Aber wir haben Bock und man wird auch 2018 von uns hören.

Vielen Dank für das Interview!

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