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Endlich ein Grund zur Panik: museek Interview mit Judith Holofernes

Judith Holofernes Interview museek
Foto: Christoph Voy

Indie

Endlich ein Grund zur Panik: museek Interview mit Judith Holofernes

Judith Holofernes fegte mit ihrer Band Wir sind Helden bis 2012 über die Konzertbühnen der Republik und weit darüber hinaus. 2014 veröffentlichte sie ihr Solo-Album „Ein leichtes Schwert“ und in wenigen Wochen erscheint ihr erstes Buch. „Du bellst unter dem falschen Baum“ enthält eine Vielzahl von Judith Holofernes‘ Gedichten, die mit Illustrationen von Vanessa Karré wunderschön in Szene gesetzt werden.

Wie es der zweifachen Mutter gelingt, private Verpflichtungen und künstlerische Kreativität unter einen Hut zu bringen und noch vieles mehr hat sie uns im museek Interview verraten.

Frau Holofernes, am 24.10.2015 erscheint Ihr erstes Buch „Du bellst vor dem falschen Baum“ – Tiergedichte mit Illustrationen. Wenn Sie ein Tier wären: Welches wäre das und warum?

Vielleicht ein Otter, der wäre ich zumindest gerne… die haben´s voll raus, lassen sich den ganzen Tag auf dem Wasser treiben, Händchen haltend, rollen ab und zu über einen anderen rüber…

In Ihren Gedichten werden neben den klassischen Hof-, Wald- und Wiesenbewohnern auch ausgefallene Tiere behandelt. Wie kommen Sie auf diese? Laufen Sie durch den Zoo und denken sich „da könnte ich was drüber schreiben“ oder woher kommt die Inspiration dafür?

Ich glaube ich hatte schon immer einen Blick für, ähm, abwegige Tiere. Sowieso habe ich so was wie einen Tier –Scannerblick, ich bin immer die, die die Rehe am Wegesrand zuerst sieht… Und ja: viele der etwas fragwürdigeren Tiere – der Marabu zum Beispiel – sind mir im Zoo begegnet.

Wie schaffen Sie es mit zwei Kindern Ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und Ihre Texte zu schreiben? Gönnen Sie sich bewusst Freiräume, in denen Sie sich nur mit Schreiben beschäftigen oder ist jeder Text,jedes Gedicht Stückwerk?

Ach, wie für alle arbeitenden Eltern ist das ein ständiges Ringen… Klar, kreatives Arbeiten lebt irgendwo davon, dass man zwischendurch völlig abtauchen kann. Aber am Ende nimmt man, was man kriegen kann, und schreibt zur Not in der Nacht seine Songs fertig…

Auf den ersten Blick würde man vielleicht ganz klischeehaft eher ein Gedichtband für Kinder von Ihnen erwarten. Als zweifache Mutter haben sie sicher schon unzählige Geschichten und Gedichte vorgelesen. Trotzdem richten sich Ihre Texte an das erwachsene Publikum. Was gab letztlich den Ausschlag dazu, Ihre gesammelten Werke in Buchform zu veröffentlichen?

Das mit den Tiergedichten war am anfang wirklich nur eine Spielerei, aber irgendwann wurden es so viele, dass ich anfing zu denken: hmm, eigentlich beinahe ein Buch. Ausschlaggebend war dann aber vielleicht am Ende die Freundschaft zu der Illustratorin, Vanessa Karré. Im Grunde habe ich ein Buch draus gemacht, weil ich wußte, dass sie ein wunderschönes draus machen würde.

Ihre beiden Kinder sind mittlerweile schulpflichtig. Wie werden Sie von Seiten der Schule und auch von anderen Eltern wahrgenommen? Als Judith Holofernes, die bekannte Sängerin oder als Judith Holofernes, die Mutter von…?

Ach, wie auch beim Bäcker oder im Supermarkt oder eigentlich überall hier: die Leute hier sind erfreulich abgebrüht. Ich kann in meinem Alltag monatelang vergessen, dass die Leute mich vielleicht aus dem Fernsehen kennen oder so…

Bleiben wir noch kurz beim Thema Kinder. Beide wachsen mit Musik auf und haben sicher auch schon den ein oder anderen Song von Wir sind Helden oder eines ihrer Solo-Stücke gehört. Wie finden Sie das, was ihre Eltern musikalisch auf Platte gepresst haben?

Alles was man gut mitschreien kann, finden Kinder natürlich super: „Nichtsnutz“, „Danke ich hab schon“… oder „Platz da“, auch sehr beliebt.

Wie sieht es mit Ihrem eigenen Musikgeschmack aus? Bei welchen Künstlern drehen Sie die Anlage auf, bei welchen schalten Sie aus?

Ich höre sehr viel, sehr inbrünstig und breit gefächert Musik. Meine neueste Liebe sind Here We Go Magic. Was ältere Sachen angeht habe ich gerade die Buzzcocks wiederentdeckt…

Mit Ihrer Band Wir sind Helden waren Sie 2005 in der unglücklichen Situation, relativ kurzfristig den vakanten Headliner-Posten bei Rock am Ring und Rock im Park zu übernehmen. Ein entstand wahrer Shitstorm, der sich auf der damaligen Bandhomepage und den sozialen Netzwerken entlud. Den Auftritt meisterte die Band mit Bravour. Wie sehen Sie diese Situation rückwirkend und wie gehen Sie heute mit öffentlichem Druck um?

Eine Feuertaufe! Damals habe ich mich fürchterlich gefühlt, aber natürlich ist man nach so einer Erfahrung ein paar Meter größer und hat das Gefühl: mir kann keiner mehr was. Trotzdem: mir ist Druck, zumindest Druck, der sich nach Fremdbestimmung anfühlt, absolut zuwider und ich versuche mehr und mehr, mein Leben ohne diese Art von Druck zu gestalten.

Auf die Politiker der Bundesrepublik Deutschland wird im Rahmen der Flüchtlingsproblematik zur Zeit ebenfalls großer Druck ausgeübt. Auf Ihrem Blog beziehen Sie dazu Stellung und sagen ganz klar „Refugees Welcome“. Engagieren Sie sich neben Ihren offenen Worten zusätzlich noch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe?

Ja, mache ich, möchte ich aber gerne so ein bisschen unter dem Radar machen. Wenn du auf Twitter die Augen aufhältst, dann kriegst du’s sicher mit :)

Viele Heimatvertriebene suchen in unserem Land ihr persönliches Glück, nachdem Sie vor Not, Elend und Krieg geflüchtet sind. Wo finden Sie Ihr persönliches Glück und wie äußert sich dieses?

Ich übe mich im Moment in drastischen Nichtstun, als eine Art persönliches Experiment: ich versuche, stundenlang nichts zu machen – noch nicht mal meditieren, oder so, einfach nur Löcher in die Luft starren. Das bewährt sich ganz fantastisch, für mich – aber auch für mein Songwriting.

Ihr Musikerkollege Thees Uhlmann ist ebenfalls kürzlich unter die Schriftsteller gegangen. Mit seinem Buch geht er auch auf ausgedehnte Lese-Tour quer durch die Republik. Ist das Ihrerseits ebenfalls geplant?

Ja, ich mache auch ungefähr ein dutzend Lesungen und freue mich sehr darauf. Anfang November geht´s los. Die Daten findest du ab Ende der Woche bei mir auf dem Blog: www.judithholofernes.com

Abschließende Frage: Dürfen sich Freunde des gesungenen Wortes bald wieder auf neue Musik von Ihnen freuen oder ist in diese Richtung noch nichts geplant?

Ja, gerne bitte freuen! Ich schreibe gerade an den Songs für die zweite Soloplatte und bin schon erstaunlich weit. Im Sommer war ich auf den Färöer Inseln und habe mit meinem Freund Teitur, der dort lebt, geschrieben. Das war extrem ergiebig. Da kommt was nach!————–

Wir bedanken uns recht herzlich bei Judith Holofernes für das Interview und wünschen ihr viel Erfolg für die bevorstehende Buchveröffentlichung. Wir sind schon sehr gespannt auf die ihre zweite CD!

Judith Holofernes Lesungen
„Du bellst vor dem falschen Baum“

03.11.2015 Berlin, Dussmann Buchhandlung
04.11.2015 Göttingen, Alters Rathaus am Markt05.11.2015 Düsseldorf
11.11.2015 Wien, Messe Buch Wien
13.11.2015 Freiburg, Freiburger Literaturgespräche, Theater am Marienbad
14.11.2015 Hamburg, Haus 73, Gespräch mit Linus Volkmann & Lesung mit Andy Strauß
21.11.2015 Neustrelitz, Der Norden liest
01.12.2015 München, Gasteig
02.12.2015 Heidelberg, Deutsch Amerikanisches Institut
03.12.2015 Gießen, Ulenspiegel
04.12.2015 Hannover, Literarischer Salon
11.12.2015 Berlin, Prater der Volksbühne

 

 

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